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Groteskes gibt „Kabaret“ die rechte Würze PDF Drucken E-Mail

Elvis und Miss Piggy im Duett, geführt von Verena Männer, Birgit Martetschläger und Doro Gfell (von links).Groteskes gibt „Kabaret“ die rechte Würze

Der intime Theaterraum hat am Samstagabend die optimale Spielfläche für die Premiere von „Kabaret“ im Figurentheater geboten. Die Stars vergangener Zeiten haben sich für ihren glamourösen Auftritt gestylt, präsentieren sich aber ebenso in schon leicht abgetakelter Verfassung. Diese Grotesken geben der Inszenierung die rechte Würze.

Der geraffte Goldvorhang in rot beleuchteter Umrahmung mit schwarzem Hintergrund verleiht dem Stück den Milieucharakter, den die Cafés, Bars und Theater im Berlin, Paris oder New York vergangener Zeiten innehatten. In dieses Bühnenbild hinein hat Regisseurin Patrizia Geddert die Stars des Figurentheaters „Kabaret“ platziert. Am Samstagabend bescherte ihr das einen ausverkauften Saal, in dem auch die Treppenabsätze zum Zuschauerplatz wurden. Vorhang auf hieß es, begleitet von einem Trommelwirbel. Von einer Leinwand herunter begrüßte ein stilechter 20er-Jahre-Conferencier mit viel „Bienvenue“ und „Leave your problems outside“ die Gäste.

Zu beiden Seiten der Bühne taten sich zwei Logen auf, in denen zwei näselnde ältere Figuren-Herren Platz nahmen. Ihre ironischen Kommentare wie „Die Show ist ganz schön ansteckend“, um sogleich das Desinfektionsmittel gegen die Schweinegrippe zu versprühen, rückten die Inszenierung noch dichter ans Publikum heran. André in Gestalt von Andreas Banitsch moderierte die Show, die mit Heinz Erhardt und seinen aberwitzigen Verhaspelungen begann. Er steigerte sich im schlichten grauen Anzug später noch auffälliger. „Des Menschen Leben gleicht einer Brille – man macht viel durch!“ sind Sprüche, die die Lacher auf ihrer Seite haben.

Von hier ging die Reise nach Südamerika in die zwielichtigen Kneipen am Hafen, wo die einst bildschöne Lola ihr Dasein bestreitet. Abgetakelt und vom Nachtleben gezeichnet, kippt sie den billigen Rum hinunter und begeistert durch aufgebrochene Gesichtsfurchen, die einer Berglandschaft gleichkommen. Bei Edith Piaf, die recht zerzaust die Bühne betrat, und ihrem hymnisch gesungenem „Je ne regrette rien“ wachten sogar die beiden Zaungäste auf den Balkonen wieder auf, und das Duett mit Elvis und Miss Piggy brachte sie fast aus dem Häuschen. Für das haltlose Lachen des King of Rock ´n´ Roll über die goldgelockte Miss Piggy gab es Szenenapplaus. Zwischen die einzelnen Figurenstücke hat Geddert Filmausschnitte eingeblendet. So beispielsweise den legendären Gene Kelly, wie er seinen ominösen Solo-Stepptanz zu „I´m singing in the rain“ vollführt. Schauspielerische Passagen mit dem fünfköpfigen Ensemble aus Neri Drescher, Dorothee Gfell, Birgit Martetschläger, Verena Männer und Dirk Buschmann sowie Andreas Thiele an der Technik runden dieses Abendprogramm ab. Insbesondere Martetschlägers Soloauftritt, bei dem zwei Finger ihrer Hand zu Beinen in roten Stiefelchen mutieren und eine darüber platzierte weiß geschminkte Maske den Handrücken zum nackten Körper geraten lassen, machten Staunen als dieses Figürchen grazil über den Zylinder tanzte.
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Im zweiten Teil gaben sich die Stars wieder recht aufgeräumt: Satchmo kam im Duett mit Ella Fitzgerald zum Zug, die Monroe überhäufte die Spieler mit glitzernden Ketten, die sich sogleich zwei Diebe zur Musik vom „Rosaroten Panther“ unter den Nagel rissen. Absolut pfiffig dagegen gestaltete sich der Filmausschnitt mit einer sexy angezogenen Liza Minnelli und ihrem Hit „Cabaret“, bei dem sich am unteren Leinwandrand die Schatten zweier bebrillten Gestalten abzeichneten und fingernd an ihre Garderobe heranwagten. Willkommen im Kabaret!

(Erschienen auf SZON bzw. in der Schwäbischen Zeitung: 15.11.2009 16:30)

 
Schauspieler zeigen 170 Besuchern ihre "ver-rückte" Seite PDF Drucken E-Mail

Kaputt-put-putRAVENSBURG - Sieben Theatergruppen von Ravensburger und Weingartener Schulen sowie Bildungseinrichtungen haben am Freitagabend im Theater Ravensburg ihre Inszenierungen auf die Bühne gebracht. Theatermacher Bodo Klose hat das zweieinhalbstündige Programm moderiert, in dem es bunt, lustig, akrobatisch, klassisch und tiefgründig zuging.

Mehr als 170 Besucher strömten in den Saal, wo sich auf der Bühne die jungen Akteure zum Thema "Ver-rückt" in doppeltem Wortsinn vorstellten. "Restlos voll", kommentierte Hausherr Albert Bauer diese überwältigende Resonanz auf das zum zweiten Mal vom Kulturamt der Stadt Ravensburg unter Leitung von Dr. Franz Schwarzbauer in Kooperation mit dem Theater Ravensburg organisierte Projekt. Ohne viel Prozedere kündigte Klose den Auftritt der ersten Theater-Arbeitsgemeinschaft (AG) an, hatte man doch im Vorjahr die Erfahrung gemacht, dass es wenig förderlich ist, wenn sich der Abend über die Maßen in die Länge zieht.

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Einen Mix aus Schauspielern und Figuren bot das Ravensburger Figurentheater mit "kaputt, put, put" unter der Regie von Mimi Banitsch und Thomas Töpfer. Wo es hinführen kann, wenn sich zwei so sehr lieb haben, demonstrierte Sohn Robert, der auf die Attacken seiner Mutter hin notorisch schweigt und am Ende glaubt, er sei ein Huhn. Das Ensemble bestach in dieser Groteske durch eine klare und pointierte Sprache in den Dialogen zwischen den beiden Streithähnen.

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(Erschienen in der Schwäbischen Zeitung Ravensburg, 22.06.2009)
 
Gertrud Müller entdeckt eine fremde Welt PDF Drucken E-Mail

Gewölbekeller tut sich dem Publikum so manch große unbekannte Welt auf. Gertrud Müller hat am vergangenen Samstag im Zuge des SZ-Adventskalenders einen Blick hinter die Kulissen geworfen.

Begleitet von ihren Enkeltöchtern Tamara und Jasmin steigt Gertrud Müller die Stufen hinab ins Figurentheater Ravensburg. Die beiden Mädchen haben sich das Stück aussuchen dürfen. "Karlsson vom Dach" von Astrid Lindgren wird heute aufgeführt. "Ich bin schon immer gerne ins Theater gegangen", erzählt die Ravensburgerin. Sie findet es schön, dass es heute noch Theater gibt und nicht nur Film und Fernsehen.

Andreas Banitsch, zweiter Vorsitzender des Figurentheaters, gibt den Dreien eine Führung durch die Räumlichkeiten des Theaters. "Der Gewölbekeller bietet eine ganz besondere Atmosphäre, die in einem modernen Gebäude gar nicht möglich wäre", so Banitsch.

Auch Gertrud Müller ist angetan von den Räumlichkeiten und betont wie liebevoll doch alles hier gestaltet sei. Sie ist heute zum ersten Mal im Ravensburger Figurentheater. Zusammen mit ihren Enkelkindern darf sie auch auf und hinter die Bühne. Hinter der Bühne entdeckt Jasmin zwischen Tüchern und Requisiten einen kleinen Kuchen und fragt sich, ob der wohl echt ist. Während des Stücks entpuppt er sich als Lillebrors Geburtstagskuchen.

"Das Figurentheater Ravensburg hat ungefähr aktive 30 Mitglieder, die alle ehrenamtlich tätig sind", erklärt Banitsch. Es handelt sich hierbei überwiegend um Theater- und Sozialpädagogen, so der stellvertretende Vorsitzende weiter. Er selbst kommt aus dem IT-Bereich und nutzt das Figurentheater, wie er sagt, zum Ausgleich. Auf die Frage, was das Figurentheater Ravensburg so besonders mache, antwortet Banitsch: "Wir leben das Theater und gehen in unseren Rollen auf."

Das merkt man der kompletten Truppe bereits beim Aufwärmen an. Gertrud Müller freut sich sehr, dass sie diesem Ritual vor der Aufführung beiwohnen darf. "Hier in diesem Haus - ist man erst drinnen, kommt man hier nicht mehr raus. Hier muss man tanzen und springen und auch mal singen. Erst dann kommt man hier wieder raus."

Diesen Spruch gibt die Theatermannschaft mal schreiend mal flüsternd gemeinsam wieder, während sich alle Schauspieler im Kreis an den Händen halten und im Gleichtakt vor- und zurückgehen. "Eine gute Dynamik und viel Schwung", lobt Thomas Töpfer, Regisseur der Inszenierung und im Stück Lillebrors Vater. Er verspricht Jasmin und Tamara, dass es heute etwas zu lachen geben wird. "Lacht man da? Cool!", freut sich Jasmin.

Es ist 15 Uhr. Das Theater hat sich inzwischen gefüllt und ist mit 65 Zuschauern an diesem Samstag ausverkauft. Bevor das Stück beginnt, lässt Thomas Töpfer sein Publikum erst einmal Klatschen üben und ermutigt die Kinder auch ruhig zu applaudieren, wenn ihnen etwas gefällt. Mit tiefer Stimme und viel Ausdruck haucht Andreas Banitsch dem besten Karlsson der Welt Leben ein.

Das kleine Publikum macht große Augen und kringelt sich vor Lachen bei Karlssons Streichen. Regisseur Töpfer hält sein Versprechen. Gertrud Müller und ihre Enkeltöchter sind sichtliche begeistert von der Aufführung.

Tamara kann gar nicht sagen, was ihr am besten gefallen hat. "Einfach alles", meint sie strahlend. Die drei werden sich sicherlich noch lange und gerne an ihren Nachmittag im Figurentheater Ravensburg erinnern.

RAVENSBURG - Beinahe versteckt liegt das Figurentheater Ravensburg. Dort unten, in einem kleinen, alten Gewölbekeller tut sich dem Publikum so manch große unbekannte Welt auf. Gertrud Müller hat am vergangenen Samstag im Zuge des SZ-Adventskalenders einen Blick hinter die Kulissen geworfen.

Begleitet von ihren Enkeltöchtern Tamara und Jasmin steigt Gertrud Müller die Stufen hinab ins Figurentheater Ravensburg. Die beiden Mädchen haben sich das Stück aussuchen dürfen. "Karlsson vom Dach" von Astrid Lindgren wird heute aufgeführt. "Ich bin schon immer gerne ins Theater gegangen", erzählt die Ravensburgerin. Sie findet es schön, dass es heute noch Theater gibt und nicht nur Film und Fernsehen.

Andreas Banitsch, zweiter Vorsitzende des Figurentheaters, gibt den Dreien eine Führung durch die Räumlichkeiten des Theaters. "Der Gewölbekeller bietet eine ganz besondere Atmosphäre, die in einem modernen Gebäude gar nicht möglich wäre", so Banitsch.

Auch Gertrud Müller ist angetan von den Räumlichkeiten und betont wie liebevoll doch alles hier gestaltet sei. Sie ist heute zum ersten Mal im Ravensburger Figurentheater. Zusammen mit ihren Enkelkindern darf sie auch auf und hinter die Bühne. Hinter der Bühne entdeckt Jasmin zwischen Tüchern und Requisiten einen kleinen Kuchen und fragt sich, ob der wohl echt ist. Während des Stücks entpuppt er sich als Lillebrors Geburtstagskuchen.

"Das Figurentheater Ravensburg hat ungefähr 30 Mitarbeiter, die alle ehrenamtlich tätig sind", erklärt Banitsch. Es handelt sich hierbei auch um Theater- und Sozialpädagogen, so der stellvertretende Vorsitzende weiter. Er selbst kommt aus dem IT-Bereich und nutzt das Figurentheater, wie er sagt, zum Ausgleich. Auf die Frage, was das Figurentheater Ravensburg so besonders mache, antwortet Banitsch: "Wir leben das Theater und gehen in unseren Rollen auf."

Das merkt man der kompletten Truppe bereits beim Aufwärmen an. Gertrud Müller freut sich sehr, dass sie diesem Ritual vor der Aufführung beiwohnen darf. "Hier in diesem Haus - ist man erst drinnen, kommt man hier nicht mehr raus. Hier muss man tanzen und springen und auch mal singen. Erst dann kommt man hier wieder raus."

Diesen Spruch gibt die Theatermannschaft mal schreiend mal flüsternd gemeinsam wieder, während sich alle Schauspieler im Kreis an den Händen halten und im Gleichtakt vor- und zurückgehen. "Eine gute Dynamik und viel Schwung", lobt Thomas Töpfer, Regisseur der Inszenierung und im Stück Lillebrors Vater. Er verspricht Jasmin und Tamara, dass es heute etwas zu lachen geben wird. "Lacht man da? Cool!", freut sich Jasmin.

Es ist 15 Uhr. Das Theater hat sich inzwischen gefüllt und ist mit 65 Zuschauern an diesem Samstag ausverkauft. Bevor das Stück beginnt, lässt Thomas Töpfer sein Publikum erst einmal Klatschen üben und ermutigt die Kinder auch ruhig zu applaudieren, wenn ihnen etwas gefällt. Mit tiefer Stimme und viel Ausdruck haucht Andreas Banitsch dem besten Karlsson der Welt Leben ein.

Das kleine Publikum macht große Augen und kringelt sich vor Lachen bei Karlssons Streichen. Regisseur Töpfer hält sein Versprechen. Gertrud Müller und ihre Enkeltöchter sind sichtliche begeistert von der Aufführung.

Tamara kann gar nicht sagen, was ihr am besten gefallen hat. "Einfach alles", meint sie strahlend. Die drei werden sich sicherlich noch lange und gerne an ihren Nachmittag im Figurentheater Ravensburg erinnern.

(Erschienen in der Schwäbischen Zeitung Ravensburg, 18.03.2009)

 
Das Puppentheater in Ravensburg feiert seinen 30. Geburtstag PDF Drucken E-Mail

RAVENSBURG - Was einst in einem Wohnzimmer in der Herrenstraße seinen Anfang genommen hat, ist heute mit zwei Bühnen in Ravensburg vertreten: "Ottokar"s Puppentheater" und das "Figurentheater Ravensburg". Am 14. September feiert das Puppentheater 30 Jahre.

Angefangen hat alles vor 30 Jahren in der Ravensburger Herrenstraße: In seiner Wohnung baut Ottokar Seifert sein Wohnzimmer zu einem kleinen Publikumsaal um, und seine Küche wird als Spielraum umfunktioniert. "Damals war es das erste feste Puppentheater in ganz Oberschwaben", erinnert sich Seifert. "Und nach 30 Jahren Beständigkeit gehört ein solches Ereignis schließlich gefeiert", fügt Martina Widmann hinzu.

Die erste Vorsitzende des "Figurentheaters Ravensburg e.V." steckt noch mitten in den Vorbereitungen für die Festlichkeiten. Neben einem inoffiziellen Teil in der Zehntscheuer am Abend, wo sich alte Bekannte und Spieler austauschen und erinnern können, finden verschiedene Aufführungen statt. Geplant sind vier Sonderaufführungen: Ein Gastspiel des Faro-Theaters Bad Waldsee mit Veronika Degler, die eine Profibühne leitet, sowie Patrizia Fürst von der Puppenbühne Ostrach. "Ottokar"s Puppentheater" spielt das Stück "Die drei Kinder und die Schlange Lilly", welches Seiferts erstes selbstgeschriebenes Bühnenstück war. Dieses Stück hatte in Ravensburg Premiere. "Und am 14. September spielt sogar die Erstbesetzung von damals noch einmal dieses Stück", merkt Seifert stolz an.

Mitglieder spielen ehrenamtlich

"Unser Verein finanziert sich allein aus den Eintrittsgeldern und den Zuschüssen vom Landeskultusministerium und der Stadt Ravensburg", erzählt Martina Widmann, "und unsere 60 Mitglieder spielen alle auch noch ehrenamtlich." Die Figuren der Stücke sind allesamt Handarbeit und von den Vereinsmitgliedern hergestellt. "Für die Materialkosten werden sie aber schon honoriert." Nachdem Jo Fröhlich nach fünf Jahren das Theater verlassen hatte, war das Theater ohne Leitung. "Jo übernahm die Auswahl der Stücke, machte die Puppen und war für die Inszenierung zuständig. Das war für uns schon bequem", sagt Martina Widmann. Seit er jedoch gegangen ist, hätte man erst festgestellt, welche Begabungen die Mitglieder noch hätten. "Plötzlich machten unsere Spieler Puppen und gestalteten die Bühnenbilder selbst."

(Erschienen: 03.09.2008 in der Schwäbischen Zeitung)

 
Puppenspieler beflügeln die Fantasie PDF Drucken E-Mail

Bella Rosa und Königin Josephina Durcheinander der LetzenRAVENSBURG - "Das Puppentheater ist wichtig für die Kinder, denn heutzutage machen Computer und Fernsehen viel kaputt", sagt Ottokar Seifert. Der gebürtige Prager hat 1978 das Puppenspiel nach Ravensburg gebracht. Gestern haben "Ottokars Puppentheater" und das "Figurentheater Ravensburg" ihren 30. Geburtstag gefeiert.

Seit 30 Jahren zaubert Ottokar Seifert ein breites Grinsen auf die Gesichter der kleinen Ravensburger. "Für die Kleinen ist es wichtig, dass sie eine reale Geschichte erleben und nicht irgendein vorgefertigtes Programm", sagt der gelernte Heilpädagoge, der dafür plädiert, dass Kinder lernen, mit ihrer Fantasie zu spielen. "Computerspiele rauben Kindern die Kreativität."

Der Meinung ist auch Martina Widmann, die erste Vorsitzende des "Figurentheaters Ravensburg". "Puppentheater ist für die Kinder die erste Erfahrung mit Kultur, und da ist es besonders wichtig, dass diese Erfahrung auch die Fantasie beflügelt", sagt Widmann. "Es kommt nicht selten vor, dass nach einer Schulaufführung Kinder zu mir sagen: Der Film war ja echt prima." Kinder erleben das Puppenspiel anders als Erwachsene, sie identifizieren sich mit den Figuren, "da spielt es keine Rolle, wenn sie sehen, dass da ein Mensch die Figur führt", sagt Martina Widmann. - "Es kommt auch viel auf die Eltern an, ob die Kinder ins Theater gehen oder nicht. Oft ist es einfacher, die Kinder vor den Fernseher zu setzen", erläutert Seifert. "Im Fernsehen braucht es keine Fantasie, deshalb kämpfen wir gegen Computerspiele und Fernsehen an."

Das Fest zum 30-jährigen Bestehen begann für alle Freunde des Puppentheaters gestern um 10 Uhr im Figurentheater bei Kaffee und Kuchen. Fünf Vorstellungen gab es am Sonntag für die Kleinen. Dabei war auch Veronika Degler von der Profibühne des Faro-Theaters in Bad Waldsee, die ihr selbst geschriebenes Stück "Ich glaub" mich küsst ein Schwein" aufführte. "Wir haben uns auch etwas Besonderes für das Jubiläum einfallen lassen", erzählt Seifert, "wir spielen das Premierenstück von 1978 in Erstbesetzung." Damals führte Seifert die Eigenproduktion "Die drei Kinder und die Schlange Lilly" noch in seinem Wohnzimmer auf.

Am Abend trafen sich in der Zehntscheuer alte Bekannte und Freunde des Puppentheaters, tauschten sich aus und gestalteten eine kleine Vorführung. Franz Schwarzbauer, Kulturamtsleiter der Stadt Ravensburg, und Bernhard Morgenstern vom Landesverband Deutscher Amateurtheater lobten die Arbeit der beiden Theater in Ravensburg. Und auch die Publikumsränge waren gestern gefüllt, da hat das Puppentheater schon seinen ersten Sieg gegen den Computer errungen.

(Erschienen: 15.09.2008 in der Schwäbischen Zeitung, Ravensburg)
 
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